Was Frauen wollen

– und wie das Grundeinkommen nützt.

Annette CreftEin Gastbeitrag von Annette Creft.
Frau Creft war Referentin zum Grundeinkommen bei der BGE17-Veranstaltung in Bremen am 13.05.17.


Was Frauen wollen, zeigen moderne Studien und der Blick in die Gesellschaft.

Die Fragen Kind oder Karriere? Arbeit oder Qualitätszeit?  Geld oder Leben?

sind einfach zu beantworten. Nicht mit „oder“, sondern mit einem „und“. Frauen wollen alles. Und zwar nicht um den Preis ihrer Gesundheit, Nerven, der Selbstverwirklichung oder der Kindererziehung. Ein emanzipatorisches Grundeinkommen ist ein wichtiger Schritt dorthin.

Ein in allen Bereichen erfüllendes Leben steht vor Erwerbsarbeit um jeden Preis.

Um beruflich durchzustarten, wird ein umfangreiches Angebot an Kinderbetreuung gefordert – und zwar kostenlos. Auch wollen sich Frauen in ihrer Arbeit verwirklichen, finden jedoch selten die Aufgaben und Arbeitsbedingungen vor, die es ihnen ermöglichen. Qualifizierte Stellen sind selten mit Kindererziehung und Haushalt vereinbar. Emanzipation wäre eher möglich, gäbe es endlich gleiche Bezahlung für gleiche Leistung. So würde das höhere Einkommen nicht in vielen Fällen dazu führen, dass der Mann automatisch die Familie ernährt.

Immer wieder wird deutlich, wie wichtig Frauen – bei Männern ist es übrigens nicht anders- Lebensqualität in Form von „Zeitwohlstand“ ist. Damit einher geht der Wunsch nach betrieblicher Flexibilität: Frauen wollen selbst bestimmen, wann sie innerhalb der Frist an einem Projekt arbeiten, und dies am liebsten bei freier Zeiteinteilung und von zu Hause aus. Sie wollen auch keine 40-Stunden Woche mehr, sondern eine Kernarbeitszeit von 30-35 Stunden. Die Bereitschaft, das Leben komplett dem Beruf zu opfern, ist übrigens auch bei Männern deutlich gesunken, wie Umfragen und Gespräche im Bekanntenkreis ergeben.

Frauen wollen sich mehr ehrenamtlich und gesellschaftlich engagieren, ohne dabei finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen.

Interessant ist auch hier die oft auftauchende Abgrenzung zum Interesse an klassischer Parteipolitik. Soziales und gesellschaftspolitisches Engagement stehen bei vielen Frauen weit oben auf der Prioritätenliste, einhergehend mit einer deutlichen Politikverdrossenheit, gerade in Bezug auf etablierte Parteien.

Die finanzielle Sicherheit eines Grundeinkommens würde die Familie, die Unabhängigkeit der Frau und die Gleichberechtigung fördern. Mit dem BGE wird außerdem die Verhandlungsbasis gegenüber dem Arbeitgeber gestärkt und es kann besser Einfluss auf die betrieblichen Bedingungen genommen werden.

Die aktuelle Studie „Was junge Frauen wollen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt auch, dass die Gleichstellung längst noch nicht verwirklicht ist. Oftmals ist aufgrund der Gehaltsunterschiede noch der Mann der Hauptversorger, während die Frau sich um die Kinder kümmert. Das höhere Einkommen ist wichtiger, was auch die Ehe selbst belastet:

„Da gibt es oft Krach, denn es stellt sich die Frage, wessen Arbeit wichtiger und wertvoller ist. Es geht oft auch darum, wer mehr Geld verdient.“

Viele Stellen im Dienstleistungssektor sind unterbezahlt und prekär; Teilzeitstellen reichen selten zum Leben, sodass Frauen oft zusätzlich auf Behörden oder das Einkommen des Ehemanns angewiesen sind.

Von den 3,59 Millionen Beschäftigen im Dienstleistungssektor 2011 waren 80,3 Prozent Frauen. Und auch beim Einzelhandel mit seinen 2,16 Millionen Beschäftigten lag der Anteil der Frauen mit 70,8 Prozent klar über dem Durchschnitt. Diese Stellen sind in der Regel häufig mit Überstunden und niedriger Bezahlung verbunden. Auch fallen die Renten natürlich dementsprechend niedriger aus. Eine Frau, die Mutter werden möchte, hat gleichzeitig oft Angst vor Abhängigkeit vom Versorger. Dies führt oft dazu, dass der Kinderwunsch notgedrungen hinter der Karriereplanung zurücksteht oder umgekehrt.

„Ich würde es mir als Frau mit Kind schon überlegen, ob ich einen Managerposten haben will. Da bleibt mir doch keine Zeit mehr. Wenn ich mich für ein Kind entscheide, möchte ich auch Zeit dafür haben.“

Gut jede vierte sozialversicherungspflichtig beschäftigte Person ging 2011 einer Teilzeitanstellung nach (26,1 Prozent) – bei den Frauen lag dabei der Anteil mit 38,8 Prozent deutlich über dem Anteil der Männer mit 9,9 Prozent.

Die Zahlen zeigen eindeutig, dass Arbeit nicht gleich Arbeit ist. Auch werden höher qualifizierte Stellen nach wie vor überwiegend männlich besetzt; Frauen fehlen reizvolle berufliche Perspektiven, die auch Platz für Freizeit, Partnerschaft und Kindererziehung lassen. Es fehlen außerdem flexible Arbeitszeitmodelle, wie z.B. die Chance, auch von zu Hause aus zu arbeiten.

2 Kommentare zu „Was Frauen wollen

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